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Eine Ode an die Sozialpädagogen

Nach den ersten Wochen in meiner Zivistelle und einem ersten tiefschürfenden Einblick in die hintergründige Arbeit eines Jugendzentrums, kann ich dem Drang nicht länger widerstehen: Ich muss mein Entsetzen in Worte fassen.
Bei dem Sozialpädagogen handelt es sich um einen ganz besonderen, vor allem ganz besonders eigenartigen Typ Mensch.
Beflügelt von seinem Gedanken ein gutes und soziales Werk zu tun, ist der Pädagoge an sich nicht in der Lage Arbeit anderer Menschen zu sehen. Umso deutlicher sieht er aber die eigene Arbeit und ist stolz und zufrieden für das aufopferungsvolle Tagwerk, welches er anderen Menschen widmet. So dauert es auch nicht lange bis ihn diese Arbeit erschöpft. Kein Wunder also, dass er nach spätestens 2-3 Berufsjahren auf eine 2/3-Stelle wechselt.
Ab diesem Zeitraum betrachtet sich der gemeine Sozialpädagoge als „ausgebrannt“. Dem armen ca. 28-30 jährigen Pädagoge bleibt also gar nichts anderes übrig als zu überlegen wie er seine Arbeit reduzieren kann. Der folgende Gedanke liegt nah: Arbeit muss abdelegiert werden. Bevorzugt an Zivis, Praktikanten, Honorarkräfte oder ähnliche untergeordnete Menschen. Diesen Menschen wird relativ wenig Respekt zuteil, schließlich gehören sie nicht zu den Auserwählten die das Mammut-Studium an der Pudding-Uni absolviert haben. Sie verfügen also nicht über das nötige „pädagogische Know-How“, dass der Sozialpädagoge besitzt. Diese Ausbildung erlaubt es dem gemeinen Sozialpädagogen auch zu jeeeeeedem Thema etwas Sinnvolles zu sagen, diese Fähigkeit wird besonders häufig genutzt.
Aber seine Berufung verlangt den Sozialpädagogen mehr ab als es ein gewöhnlicher Mensch vermag. Dieses Kräftezehren lässt ihn oft motzig und zickig werden, ein durchgehendes Beschweren über die unmögliche Arbeit hilft dem Sozialpädagogen Frust abzulassen.
Ein Beispiel soll diese heiklen Situationen verdeutlichen:
Der Zivi soll ein Dokument ausdrucken.
Ratlos durchforstet dieser Inbegriff der Inkompetenz den PC.
Nach einigen Minuten: „Ich kann das Dokument nicht finden“.
Zorn steigt auf, denn der Pädagoge wird von seiner Arbeit abgelenkt, hat aber Mitleid mit dem Untermenschen und gibt wie immer eine qualifizierte Antwort: „Auf dem PC!“
Der folgende Stundenplan verdeutlicht vielleicht die Höllenquahlen, die diese mutigen Menschen durchstehen:

12:30 Uhr Ankunft am Arbeitsplatz
12:35 Uhr Zur Stärkung nach der schweren Anreise erstmal eine Zigarette und eine Tasse Kaffe
13:00 Uhr Erste Anzeichen von Entkräftung nach einem Telefonat
13:05 Uhr Zur Stärkung erstmal eine Zigarette
14:45 Uhr Der Zivi, ohne akademischen Puddingabschluss erdreistet es sich eine Frage zu stellen. Unbeholfenes Pack!
Bis 14 Uhr Einschließen im Büro und überlegen wie man die viele Arbeit reduzieren könnte
14:30 Uhr Der offene Bereich beginnt. Erste Kinder kommen. Kein Grund sich von den Überlegungen abzuwenden.
14:45 Uhr Stresssituation: Das Telefon klingelt!
14:50 Uhr Zigarettenpause
15:00 Uhr Auf in den Kampf: Es geht in den offenen Bereich
Playstation/Billard/Kickerspielen mit den Hilfebedürftigen
15:30 Uhr Nahezu völlige Entkräftung = Kaffee- und Zigarettenpause
16:00 Uhr Büroarbeiten
17:30 Uhr In nur 1 ½ Stunden schon vier Notizen mit Arbeitsaufträgen für andere Mitarbeiter aufgeschrieben. Kurz vorm Nervenzusammenbruch.
18:00 Uhr 2 Telefonate entgegen genommen und an Mitarbeiter weiter geleitet
18:05 Uhr Was zuviel ist, ist zuviel: Zigarettenpause
18:15 Uhr Längerer Aufenthalt im offenen Jugendbereich
 Playstation/Billard/Kicker
18:30 Uhr Praktikanten und Zivis auf die unzureichend erledigte Arbeit aufmerksam machen
19:00 Uhr Blankes Entsetzen: Bemerkt, dass morgen eine Teambesprechung ansteht.
Vorbereitung auf Team: Überlegungen zur Arbeitsreduzierung aufschreiben und morgen vortragen.
19:30 Uhr Resigniert: Zigarettenpause
19:45 Uhr Wortwechsel mit Besuchern
19:50 Uhr Kaffee im Büro
20:00 Uhr Thekenabrechnung bestätigen
Alle anderen Mitarbeiter noch einmal auf den anstrengenden Tag aufmerksam machen
20:10 Uhr Nach Hause-Weg: Überlegungen zur Reduzierung der Arbeit

Diese aufopferungsvolle Arbeit ist für Normalsterbliche unvorstellbar. Und sogar für den Sozialpädagogen auf längere Sicht nicht dauerhaft durchführbar. Daher entscheiden sich viele Sozialpädagogen (meist ab dem 40sten Lebensjahr) ein so genanntes „Sabatt-Jahr“ einzulegen. Mit den letzten Kraftreserven nimmt sich der Pädagoge wieder eine volle Stelle lässt sich allerdings nur 2/3 des Lohns auszahlen. Nach einer bestimmten Zeit nimmt er ein Jahr lang „Urlaub“ und lässt sich das noch ausstehende Gehalt zahlen.
Danach nimmt er wie gehabt seine alte Arbeit wieder auf.

Über weitere Entdeckungen werde ich sie, liebe Interessierten an der mystischen Welt sozialer Arbeit, gerne auf dem Laufenden halten!
13.7.07 00:31
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


kekev / Website (1.10.07 12:15)
Fast genau so verleif mein Praktikum bei der AWo Integrations gGmbH... aber ich möchte hier niemanden anprangern ;-)

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